Das Wort des Jahres 2020: Corona-Pandemie

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Dieses Wort des Jahres ist keine Überraschung 

Acht der zehn wichtigsten Wörter des Jahres 2020 hängen mit Corona zusammen. Auch das wundert niemanden, denn die Corona-Pandemie beschäftigt alle Menschen und beherrscht unseren Alltag, wie niemals zuvor ein anderes Ereignis nach dem 2. Weltkrieg. Die Gesellschaft für die deutsche Sprache gibt alljährlich Ende November das Wort des Jahres bekannt. Das machen sie seit 1971, damals war das Wort des Jahres „aufmüpfig". Aus heutiger Sicht gehört das schon fast wieder zu den aussterbenden Wörtern, so altertümlich mutet es mich an.

Die 10 Wörter des Jahres 2020 

  1. Zum Wort Corona-Pandemie muss wohl kaum noch etwas gesagt werden. Vielleicht noch, woher das Wort Corona kommt? Aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Strahlenkranz, was der Form des Virus geschuldet ist.
  2. Lockdown oder auch Shutdown verweist ebenso auf die allgegenwärtige Beeinträchtigung, die uns das Virus beschert.
  3. Verschwörungserzählung ist das bessere Wort für Verschwörungstheorie. Denn mit einer Theorie wird laut Wörterbuch ein System wissenschaftlich begründeter Aussagen bezeichnet. Ich will mir nun auch angewöhnen von Verschwörungserzählung zu sprechen, wenn die blonde Föhnwelle aus dem Trump Tower mal wieder von Wahlbetrug spricht.
  4. Black Lives Matter, kurz BLM, ist eine Bewegung, die schon 2013 in den USA entstanden ist. Durch den Tod von George Floyd wurde sie weltweit bekannt. Auch in Deutschland wurde das Problem des systemischen Rassismus wieder häufiger diskutiert
  5. AHA – die Abkürzung für Abstand, Hygiene, Alltagsmaske ist allgegenwärtig. 1,5 m Abstand haben wir inzwischen im Blut, Hände werden gewaschen wie nie zuvor und die Alltagsmaske gibt es inzwischen passend zum Sakko oder Blazer. Besonders nett finde ich die regionalen, liebevolle Bezeichnungen wie Snutenpulli, Goschentuch, Schnüssjäckje, Bützjekondom oder Maultäschle.
  6. Systemrelevant finde ich ja eigentlich meinen Wollladen, der leider nach dem Lockdown schließen musste. Tatsächlich aber sind es vor allem die Berufen, ohne die ein Staat nicht überleben kann: Polizei, Feuerwehr, der Gesundheits- und Pfle­gesektor, aber auch Reinigungskräfte, der Lebensmittelhandel, Erntehilfen und viele andere.
  7. Triage kannte ich bisher noch gar nicht und ich kann nur sagen: Gott sei Dank! Das Wort kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie Entscheidung. Nämlich die Entscheidung, wer an die künstliche Beatmung angeschlossen wird und wer wahrscheinlich sterben wird. Trier bedeutet so viel wie sortieren.
  8. Geisterspiele gibt es auch erst seit 2020, seitdem können wir hören, was auf dem Platz alles gerufen wird. Manchmal lustig, manchmal kann es auch zum Spielabbruch führen, wenn das Wort „Negro" deutlich zu hören ist.
  9. Das Gendersternchen* auf Platz neun würdigt die längst fällige Debatte um den geschlechtergerechten oder auch geschlechtersensiblen Sprachgebrauch. Es geht ja nicht nur um Frauen und Männer, sondern auch die Menschen, die irgendwo dazwischen sind. Ich freue mich, dass auch diese Menschen, die schon durch ihr Anderssein viel Leid ertragen müssen, endlich auch sprachlich gewürdigt werden. Ich weiß bloß noch nicht wie man es am besten ausdrückt. Mit „es" ist ja auch niemandem geholfen. Vielleicht wird es das Wort des Jahres 2021.
  10. Bleiben Sie gesund – auf dem 10. Platz landet meist ein Spruch oder ein ganz kurioses Wort. Siehe ganz unten.

Wie wird das Wort des Jahres ermittelt? 

Die Gesellschaft für deutsche Sprache sammelt übers Jahr Wörter, die in den Medien besonders häufig vorkommen. Dann werden im Herbst Bürger aufgefordert Wörter einzusenden, das können auch Schulklassen sein. Häufigkeit allein ist nicht das entscheidende Kriterium, es muss auch eine besondere Bedeutung im Leben der Deutschen haben. Das Wort des Jahres muss für ein öffentliches Interesse stehen, und das kann man dem Wort Corona-Pandemie wahrlich nicht abspenstig machen. Im November kommt die Jury zusammen, sie besteht aus 10 bis 15 Personen, und entscheidet darüber. Bekannt gegeben wird das Wort des Jahres immer Ende November.

Das Unwort des Jahres 

Das Unwort des Jahres ermittelt eine kleine Gruppe von vier Sprachwissenschaftlern und einer Journalist*in, die in jedem Jahr wechselt. Bis zum 31. 12. können Sie Ihren Vorschlag mit Begründung und Quellenangabe hier einreichen. Gekürt werden Wörter, die besonders verächtlich, unmoralisch, gedankenlos, beleidigend oder herabwürdigend sind. Zur Website geht es hier.

Das Jugendwort des Jahres 2020: Lost 

Das Jugendwort des Jahres ermittelt der Langenscheidt-Verlag, zukünftig der Pons-Verlag, denn er hat die Produktion des Jugendlexikons inzwischen übernommen. Nachdem die Wahl des Jugendwortes des Jahres von einer Erwachsenen-Jury getroffen wurde und viele Jahre für Peinlichkeit gesorgt hat, haben in diesem Jahr die Jugendlichen selbst abgestimmt. Lost bedeutet so viel wie planlos, ahnungslos, verloren, keine Ahnung, was gerade abgeht. Kann ja auch mal ein sehr angenehmer Zustand sein.

Erinnern Sie sich noch? 

Erinnern Sie sich noch an das Wort des Jahres im letzten Jahr? Oder im Jahr 2018? Hier ein kurzer Überblick, unvollständig und rein nach Lust und Laune von mir ausgesucht:

2019: Respektrente (Ein Hoch auf die Lebensleistung!)

2018: Heißzeit (Könnte eigentlich als Dauerjahreswort bestehen bleiben)

2016: Postfaktisch (Für die blonde Föhnwelle aus dem TrumpTower Realität)

2015: Flüchtlinge (Wir schaffen das!)

2013: GroKo (Kann keiner mehr hören)

2010: Wutbürger (Diese Jahr hat es das Wort Hutbürger nicht geschafft)

2009: Abwrackprämie (2007 gab's auch ne Herdprämie)

2006: Fanmeile (Ein Sommermärchen)

2005: Bundeskanzlerin (Tapfer, tapfer, immer noch da)

2002: Teuro (Seitdem nervt uns die AfD)

1995: Multimedia (ich glaub's nicht! Kann jetzt jedes Kind.)

1991: Besserwessi (die gibt's ja immer noch!)

1987: Aids, Kondom (Auch immer noch relevant)

1977: Szene (Was muss das bloß für eine Zeit gewesen sein?)

Das waren die Wörter, die auf Platz 1 landeten. Da aber meist 10 Wörter des Jahres gewählt wurden, gab's aber auch noch diese Wörte: heiße Höschen, Zweierkiste, Waldsterben, Neidsteuer, Kremlflieger, Robbensterben, Elchtest, Tamagotchi, brutalstmöglich oder Lauschangriff.

Auf Platz 10 landet meist ein originell zusammengesetztes Wort oder ein Spruch, wie in diesem Jahr „Bleiben Sie gesund". Im Jahr 1999 war es ein Wort mit 63 Buchstaben: Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz. Hicks, na denn Prost!

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